Grußwort der Pfarreien

Liebe MitbürgerInnen,

 

der bekannte Chemiker, Industriemanager und Autor Erhard Meyer-Galow sagte in einem Interview: Dem modernen Menschen fehlt der Sinn. Wir alle irren in einem dichten Nebel umher – um Orientierung und Bedeutung ringend. Auf der Suche danach bemühen wir uns, über etwas zu reden, was wir nicht verstehen, nur erfahren können. Wir müssen uns an die Grenze des Rationalen wagen, um die uns innewohnende göttliche Instanz, die Transzendenz, die man auch als Wirklichkeit bezeichnet, begreifen zu können. Es geht um „Sinnfindung“, um wahrhaftige Seinserfahrungen, „den Spirit“, auch um einen heilsamen Umgang mit dem Bösen, die Integration unserer unterdrückten Schatten – Bewusstseinsverschränkungen, um Meditations (Gebets-) praktiken, und die Gelassenheit, die es für ein Leben im Spirituellen braucht. Denn der Sinn des Lebens sei das Lebende lebendiger werden zu lassen. „Fangt einfach an, alles andere kommt von ganz allein. But don’t wait until die“, sein ermutigender, mahnender Appell.

Wir alle irren in einem dichten Nebel, da braucht es Menschen die unverzagt die Initiative ergreifen, einfach anfangen, den ersten Schritt wagen, die ahnen, die wissen, wohin. Ich denke an jene erstaunliche Frau, die sich nicht beirren ließ. Ihr Mann, ein alter „Seebär“ der Binnenschifffahrt war vor Rotterdam in dichten Nebel geraten und wagte nicht weiterzufahren, da übernahm die Frau, eigentlich von Beruf Lehrerin, das Steuer und brachte die kostbare Fracht sicher zum Hafen. Sie hatte mir einmal ihr Herz ausgeschüttet, sie wusste sich geführt und geleitet, sie war eine sehr gläubige Frau, auch wenn sie sich im Leben einmal auch böse verirrt hatte, und sich von mir nun führen ließ.

Dem modernen Menschen fehlt der Sinn. Sinnfindung wäre angesagt. „Immer wenn ich den Sinn des Lebens gefunden habe, ist er schon wieder woanders“, meinte ein bedeutender Theologe. Das kann auch heißen, dass er überall zu finden ist. Wer suchet, der findet, wird uns im Evangelium (Mt7,7) denn zugesagt.

Die Suche lohnt sich, denn in den Augenblicken, in denen wir den Sinn finden, fällt alles Hässliche, Verbissene, Kleinkarierte von uns ab; wir hören auf an unserem Schicksal und unseren Mitmenschen herumzunörgeln bzw. Gott und der Welt unsere Missgeschicke vorzuwerfen. das Gegenteil tritt ein, wir werden neugierig auf das Kommende, von Vorfreude durchdrungen, produktiv, energetisch, dynamisch und weit weniger anfällig für Stress. Alle Ängste sind verschwunden, Neid und Eifersucht ruhen, Rache und Strafgelüste sind vom Tisch, Zank und Reibereien verblassen im Hintergrund. Sinnfindung ist ein wundersamer Augenblick.

So wünsche ich uns für das kommende Jahr viele solcher Augenblicke. „Fangt einfach an, alles andere kommt von ganz allein. But don’t wait until die“. Habt also Mut, nicht nur euren eigenen Verstand zu gebrauchen, sondern immer wieder anzufangen, das Leben lebendiger werden zu lassen. Lasst uns das Neue Jahr beherzt und zuversichtlich und im Vertrauen auf Gottes Zusage trotz aller Widrigkeiten beginnen und gemeinsam besonnen weitergehen.

Ein gesegnetes Jahr 2022 wünscht Ihnen, auch im Namen des Seelsorgeteams und der evangelischen Pfarrerin Bettina Lezuo, von Herzen Ihr Pfarrer Alfred Bauer.


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